Fehler beim Hausbau: Lasst euch Zeit und überstürzt nichts!

Baugenehmigung

Seit fast zwei Jahren beschäftige ich mich nun mit dem Thema Hausbau. Inzwischen haben wir ein Grundstück gefunden, die Baugenehmigung ist da und unsere Werkplanung abgeschlossen. Im nächsten Schritt folgen die Ausschreibungen – und sobald es das Wetter zulässt, kann es losgehen. Voraussichtlich Ende Februar/Anfang März 2018.

Ich habe mich in den vergangenen Monaten mit unzähligen Bauherren, Bauleitern und Handwerkern unterhalten. Ich habe Ratgeber gelesen und mir Diskussionen in Foren zu Gemüte geführt – und wenn ich euch nur einen einzigen Tipp geben darf, dann lautet dieser: Lasst euch Zeit!

„In sechs Monaten muss das Haus stehen!“

Es ist unglaublich, was für Geschichten man hört, wenn man sich mit dem Thema Hausbau beschäftigt. Da ist dieses Paar, das seine Wohnung bereits gekündigt hat, noch bevor der Bauleiter das erste Mal das Grundstück gesehen hat. Oder dieser Familienvater, der seine Wohnung verkauft hat, noch bevor überhaupt das Baugesuch eingereicht wurde. Oder dieser Bauherr, der bei Minustemperaturen und trotz aller Warnungen darauf besteht, dass die Erdarbeiten noch im Dezember beginnen.

Solche und ähnliche Fälle findet man bei der Recherche im Internet und Bekanntenkreis zuhauf. Das Storyline ist immer die gleiche: Die Menschen handeln unüberlegt und geraten dadurch in Zeitdruck. Den Zeitdruck geben sie an ihren Bauträger und ihre Handwerker weiter – weil man bezahlt ja „viel“ Geld, da müssen alle gleich springen! Kommen die Handwerker der Aufforderung „schneller zu arbeiten“ nicht nach, werden wilde Hasstiraden im Internet veröffentlicht. Kommen sie der Aufforderung nach und machen deshalb Fehler, wird die „Pfusch am Bau“-Keule geschwungen. Der Anwalt und RTL sind schon auf den Kurzwahltasten des Handys gespeichert.

Irgendwann entdecken die Bauherren dann, dass sie einen Fehler bei der Planung gemacht haben, für die sie sich natürlich ebenfalls keine Zeit gelassen haben. Schuld sind dann natürlich die anderen – wahlweise der Architekt oder die Handwerker. Erneut wird im Internet gepöbelt was das Zeug hält, weil die nachträgliche Änderung natürlich Geld kostet. Alles Abzocke! Überall wird man betrogen!

Ich möchte hier übrigens keinesfalls die Bauunternehmen und Handwerker in Schutz nehmen, denn auch auf deren Seite werden Fehler gemacht und es wird nicht immer sauber gearbeitet. Oft lässt sich das aber vermeiden, wenn man sich als Bauherr von Anfang an mit dem Hausbau Zeit lässt und sauber plant. Ganz davon abgesehen, dass man sich unglaublich viel Stress erspart.

Die Sache mit den Bauzeiten

Ich muss immer schmunzeln, wenn mir jemand erzählt, dass er ein Fertighaus baut, „weil das laut Verkäufer schneller geht“, oder sich für Bauunternehmen XYZ entschieden hat, „weil die nicht nur günstiger waren, sondern auch noch versprochen haben, dass das Haus einen Monat früher fertig ist“. Mitunter drängt sich einem der Eindruck auf, dass manche Bauherren belogen werden möchten. Das rationale Denken setzt aus. Selbst wenn objektiv erkennbar ist, dass ein Haus überhaupt nicht in fünf Monaten gebaut werden kann, bekommt meist das Unternehmen den Zuschlag, das im Verkaufsgespräch „dem Kundenwunsch entspricht“. Am Tag der Vertragsunterzeichnung wird dann auch gleich die Wohnung gekündigt und im Anschluss ist das Drama groß, wenn der Bau zwei bis drei Monate länger dauert.

Der Punkt ist der: Beim Hausbau gibt es unglaublich viele Variablen, die zum Teil niemand beeinflussen kann. Aus diesem Grund kann zu Beginn auch niemand auf den Tag genau vorhersagen, wann der Schlüssel übergeben werden kann.

Ein paar Beispiele:

  • bevor überhaupt ein Baugesuch erstellt werden kann, muss das Haus mit dem Architekten geplant werden. Je nachdem, wie viele Änderungswünsche man als Bauherr hat, kann das eine Woche oder auch mal zwei Monate dauern.
  • die Baugenehmigung kann nach drei Monaten kommen, manchmal aber auch erst nach einem halben Jahr: Zwei Wochen nachdem wir unser Baugesuch eingereicht hatten, wurden wir in einem Schreibend darüber informiert, dass die Garage einen halben Meter zu lang sei und man das Baugesuch erst bearbeiten werde, wenn das korrigiert ist. Der Architekt musste die Änderung einarbeiten, die Unterlagen erneut ausdrucken, ich musste alles persönlich zum Bauamt bringen und schon waren wieder insgesamt vier Wochen vergangen, in denen nichts bearbeitet wurde.
  • wenn man ohne Baugenehmigung mit der Werkplanung startet, geht man das Risiko ein, dass im Nachgang größere Änderungen kostenpflichtig vorgenommen werden müssen. Wartet man auf die Baugenehmigung, muss man weitere ein bis zwei Monate einplanen, bis die Werkplanung erstellt wurde.

Allein die drei Punkte, die ich gerade beschrieben habe, können problemlos fünf bis acht Monate in Anspruch nehmen. Je nach Feier-, Krankheits und Urlaubstagen noch länger. Und wir reden hier nur von der Planungsphase! Bislang hat noch keine Schaufel den Boden des Grundstücks berührt.

Und dann geht es weiter. Unsere Baugenehmigung kam beispielsweise Mitte November. Obwohl wir die Werkplanung schon haben, kann der eigentliche Hausbau wetterbedingt aber erst im Frühjahr starten. Wir haben uns darüber nie aufgeregt, sondern die Zeit genutzt, um immer mal wieder unsere Pläne (Welcher Fußboden? Welche Badausstattung? Welche Wärmepumpe?) zu überdenken, Anpassungen vorzunehmen und offene Fragen zu klären. Wer sich diese Zeit nicht nimmt, bemerkt Fehlentscheidungen oft erst, wenn es zu spät ist.

Von daher: Ärgert euch nicht über Verzögerungen und plant von Anfang an mehr Zeit ein. Am besten setzt ihr euch gar keine Fristen. Eure Nerven werden es euch danken.

Veröffentlicht von Frank Feil

Blogger aus Leidenschaft seit über 12 Jahren. Ist selbstständig und macht irgendwas mit Social Media. Liebt das Reisen und guten Gin. Baut zur Zeit ein Haus.

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