Erfahrungsbericht: Die Bauphase mit Haus der Handwerker e.V.

Es ist schon eine Weile her, seit ich hier das letzte Mal über das Thema Hausbau geschrieben habe. Jeder weiß wie das ist: Viel zu tun, wenig Zeit 😉 Da aber unter meinem Erfahrungsbericht zum Bauen mit dem Bundesverband Haus der Handwerker e.V. immer wieder Kommentare landen, in denen sich (zukünftige) Bauherren nach dem aktuellen Stand der Dinge erkundigen, möchte ich an dieser Stelle ein kurzes Zwischenfazit ziehen.

Der Unterschied zum Bauträger

Der Bundesverband Haus der Handwerker e.V. wirbt mit dem „Bauen ohne Bauträgerrisiko“ – was unter anderem der Grund dafür war, dass wir uns für HDH entschieden haben. Das Konzept sieht vor, dass HDH die Bauherren durch die Planungsphase (Architekt, Werkplaner, Statiker, etc.) begleitet, ihnen die Werkverträge mit den einzelnen Handwerken vermittelt und ihnen einen Bauleiter zur Seite stellt. Letzterer ist für die gesamte Koordination der Gewerke während der Bauphase verantwortlich. Um Frust vorzubeugen, ist es allerdings essentiell, zu verstehen, was genau all das bedeutet – und wer sich die Kommentare hier im Blog oder auf anderen Seiten im Netz durchliest, stellt schnell fest, dass es diesbezüglich oft Unklarheiten gibt.

Bei einem klassischen Bauträger habe ich einen Vertragspartner. An diesen zahle ich meine Rechnungen. Er ist für alles verantwortlich. Der Bauträger ist mein zentraler Ansprechpartner bei allen Fragen und Problemen und muss sich – zumindest in der Theorie – um alles kümmern. Das lässt sich ein Bauträger aber auch teuer bezahlen. Hinzu kommt, dass in der Regel Anzahlungen geleistet werden müssen, man aber nicht kontrollieren kann, ob der Bauträger das Geld auch tatsächlich an die Handwerker weitergibt. Im Falle einer Bauträger-Insolvenz bekommt das der Bauherr oft erst mit, wenn es schon zu spät und der finanzielle Schaden bereits entstanden ist.

Beim Bundesverband Haus der Handwerker e.V. gibt es dieses Risiko nicht, da man als Bauherr die Rechnungen direkt an den jeweiligen Handwerker bezahlt. Nach Baufortschritt. Das ist detailliert in den Muster-Zahlungsplänen von HDH geregelt und daran haben sich bei uns bislang auch alle Handwerker gehalten. Ein Beispiel: Der Rohbauer hat die Bodenplatte fertiggestellt und der Bauleiter diese abgenommen. Danach erhält der Rohbauer 20 Prozent der Gesamtsumme aus dem Werkvertrag. Weitere 25 Prozent gibt es nach Fertigstellung der Decke über dem Erdgeschoss. Und so weiter. So läuft das bei allen Gewerken ab: Der Handwerker erbringt die geschuldete Leistung, der Bauleiter überprüft alles und gibt dann die Rechnung frei. Erst danach fließt das Geld. Dieses Konzept hat sowohl uns als auch unserer Bank von Anfang an sehr gut gefallen.

In der Praxis bedeutet das aber auch, dass man nicht wie beim Bauträger nur einen Vertragspartner und Ansprechpartner hat, sondern bis zu 15. Bei jedem Gewerk hat man mit einem anderen Handwerksbetrieb zu tun und klärt mit diesem die Details. Das gilt ebenso für die Fragen und Probleme, die unweigerlich auf jeder Baustelle auftreten. Freilich steht einem der Bauleiter mit Rat und Tat zur Seite, allerdings gibt es eben nicht den einen Ansprechpartner, der bei Problemen alles sofort klären kann. Letztendlich baut man das Haus mit den einzelnen Handwerkern und nicht mit einem übergeordneten Unternehmen.

Das ist grundsätzlich kein Problem, aber man muss sich darüber eben im Vorfeld im Klaren sein.

Der bisherige Bauablauf

Der Rohbauer hat bei uns Ende April 2018 mit den Erdarbeiten begonnen. Inzwischen ist Mitte Oktober 2018 und der Estrich wird gerade gegossen. Der Einzug ist für Anfang Januar geplant, da der Estrich nun erst einmal ein paar Wochen trocknen muss, bevor mit den Fliesenleger-, Maler- und Bodenarbeiten begonnen werden kann. Dann müssen noch die Innentüren rein und die Endinstallationen Sanitär und Elektro durchgeführt werden.

Alles in allem sind wir mit dem bisherigen Ablauf zufrieden. Die Handwerksbetriebe, die uns HDH vermittelt hat, waren fachlich kompetent und haben ihre Gewerke handwerklich korrekt ausgeführt. Der DEKRA-Gutachter hat bei seinen Begehungen immer nur kleinere Mängel gefunden, die ohne Diskussionen behoben wurden – und das auch nachdem die Rechnungen schon vollständig bezahlt waren. Das hebe ich deshalb hervor, weil mir immer wieder gesagt wurde, dass Handwerker nicht mehr kommen, wenn sie ihr Geld haben. Das können zumindest wir so nicht bestätigen.

Natürlich heißt das nicht, dass alles völlig reibungslos lief. Der Zimmermann wusste beispielsweise nichts davon, dass er die Dachüberstände streichen muss, mit dem Stuckateur gab es Diskussionen über einen defekten Bauwasserhahn und der Heizungsinstallateur stellte erst vor Ort fest, dass für die Lüftungsanlage noch eine weitere Kernbohrung durch die Decke notwendig ist. Die Außeneinheit der Wärmepumpe muss derweil nachträglich installiert werden, weil die Garage noch nicht an ihrem Platz stand.

Für sich genommen sind das alles Kleinigkeiten, die man aber in erster Instanz eben nicht mit dem Bauträger oder Generalunternehmer klärt, sondern zunächst bilateral mit dem jeweiligen Handwerker. Am besten nach Rücksprache mit dem Bauleiter. Das hat bei uns auch in den allermeisten Fällen geklappt. Nur wenn sich die Problemlösung aufgrund von Unklarheiten bezüglich der Verträge oder der Planung als schwierig gestaltete, holten wir HDH selbst mit ins Boot – und wurden dann auch entsprechend unterstützt.

Aber wir mussten Zeit investieren und uns darum kümmern. Man ist eben selbst der Bauherr. Ob man das möchte, oder sein Schicksal lieber in die Hände eines klassischen Bauträgers legt und dafür mehr bezahlt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir jedenfalls haben unsere Entscheidung bis dato nicht bereut.

Veröffentlicht von Frank Feil

Blogger aus Leidenschaft seit über 12 Jahren. Ist selbstständig und macht irgendwas mit Social Media. Liebt das Reisen und guten Gin. Baut zur Zeit ein Haus.

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