Typologie einer Gewinnspielmutti: Neun unverwechselbare Merkmale

Ich bin inzwischen seit mehr als acht Jahren Community Manager und habe in dieser Zeit schon so einiges erlebt. Ich habe gelernt, dass den Menschen Kritik viel leichter von den Lippen geht als Lob. Ich musste feststellen, dass die einige Nutzer überhaupt nicht an Lösungen interessiert sind, sondern einfach nur ihrem Unmut öffentlich Luft machen wollen. Ich wäre bereits Millionär, wenn ich nur einen Cent für jede „Wenn ihr nicht X, dann a) kaufe ich nie mehr eure Produkte, b) hört ihr von meinem Anwalt oder c) rate ich all meinen Freunden von euch ab!“-Nachricht bekommen würde. Aber das gehört eben dazu.

Dazu gehört gerade in der Weihnachtszeit auch eine ganz besondere Gruppe von Menschen, die im Netz liebevoll „Gewinnspielmuttis“ genannt werden. Solange sie nicht dem Sonnenlicht aussetzt sind gewinnen, nicht nass werden die Aufgabe richtig verstehen und nicht nach Mitternacht fressen alles nach ihren Vorstellungen läuft, hat man keine Probleme mit ihnen. Aber wenn nicht…

Ich habe das Thema hier im Blog bereits vor über vier Jahren aufgegriffen, war aber in den vergangenen Wochen von den Berufs-Gewinnspielern zeitweise so genervt, dass ich eine aktualisierte (und nicht immer ganz ernst gemeinte) Gewinnspielmutti-Typologie zusammengestellt habe. Dabei verzichte ich zwar bewusst auf konkrete Beispiele, aber ihr könnt die einzelnen Verhaltensmuster bei jedem größeren Gewinnspiel beobachten. Enjoy! 😉

Gewinnspielmuttis…

…hüpfen gerne in Töpfe

Niemand weiß so recht, was sich eigentlich in diesen Töpfen befindet und auch nicht, wie oft sich die Gewinnspielmuttis dabei schon den Kopf angeschlagen haben oder stecken geblieben sind. Aber sie tun es immer wieder! Bei jedem Gewinnspiel hüpfen sie in den Topf und sind gerne dabei!

…lieben Smileys

Vor allem Kleeblätter! Selbst wenn die Gewinnspielfrage lautet, wie viele Zellen ein Einzeller hat, besteht die Antwort am Ende aus 100 Smileys. Dieses Verhalten beruht auf dem Irrglauben, dass man durch einen auffälligeren Kommentar seine Gewinnchancen erhöht. Im analogen Zeitalter (der ein oder andere kennt das vielleicht noch) haben dieselben Menschen Sternchen und Sticker auf die Postkarten geklebt, mit denen sie an Gewinnspielen teilgenommen haben.

…sind wahre Poeten

Naja, nicht ganz. Vor allem in diesem Jahr ergänzten die Gewinnspielmuttis ihre Smiley-Parade durch aus dem Internet kopierte Adventsgedichte. Teilweise waren diese bis zu 30 Zeilen lang. Aber Vorsicht! Dabei läuft man Gefahr, gegen das Urheberrecht zu verstoßen, wie eine wutentbrannte Gewinnspielmutti (die vergessen hatte ihr Gedicht aufzusagen) einer anderen in den Kommentaren erläuterte. Beruhigend zu sehen, dass es auch unter den Gewinnspielmuttis Menschen mit Werten gibt.

…können nicht fotografieren, tun es aber trotzdem

Alternativ (oder on top) zu den Smileys und Gedichten sind aber auch grottenschlechte Bilder bei den Gewinnspielmuttis sehr beliebt – vorzugsweise mit Weihnachtsmütze auf dem Kopf oder Kleinkind auf dem Arm. Das alles hat natürlich keinerlei Bezug zum Gewinnspiel, aber auch dahinter steckt wieder der Irrglaube, dass die Gewinnchancen steigen, wenn der Beitrag auffällt (etwa weil ein Kind gezwungen wird in die Kamera zu lächeln, was aus meiner Sicht übrigens ein absolutes No-Go ist).

…haben ein schweres Leben. Echt jetzt!


Das Gewinnspiel mit der Waschmaschine kam mal wieder wie gerufen! Denn erst gestern ist die 100 Jahre alte Waschmaschine kaputt gegangen und fünf Teenager, drei Kleinkinder sowie zwei Babys haben jetzt keine sauberen Sachen mehr zum Anziehen. So ein Elend! Und dann noch der dreibeinige, blinde Hund, der alle auf Trab hält, nachdem er gestern den Familienvater ins Bein gebissen hat, der nun arbeitsunfähig ist. Das Leben ist ungerecht.

Für den ein oder anderen klingt das jetzt vielleicht zynisch, aber glaubt mir: Das war harmlos. Die Leute schrecken vor keiner Krankheit, keinem Unfall und keiner Horror-Geschichte zurück. Mitleid zieht immer – so der Irrglaube.

…sind immer wachsam

Als Community Manager kann man sich nach der Veröffentlichung des Gewinnspiels erst einmal zurücklehnen, denn bis zur Auslosung erledigen die Gewinnspielmuttis die ganze Arbeit. Es gibt Exemplare, die ungelogen sämtliche Beiträge der anderen durchgehen und prüfen, ob beispielsweise das verwendete Bild irgendwo im Netz geklaut wurde. Ist das der Fall, wird öffentlich gepöbelt und der Seitenbetreiber mit einer empörten Direktnachricht über den Vorfall in Kenntnis gesetzt. Selbiges gilt, wenn der Verdacht aufkommt, das Likes gekauft wurden. Hier spaltet sich das Gewinnspielmutti-Lager in zwei Teile: Die, die nur Mitglieder in Voting-Gruppen sind und um Likes betteln müssen, und solche, die es sich leisten können, Likes zu kaufen. Eine echte Wertegemeinschaft eben.

…sind aufdringlich

Wenn ein Gewinnspiel um 23:59 Uhr endet, meldet sich die erste Gewinnspielmutti im Regelfall gegen 0:02 Uhr mit der Frage, wann denn endlich der Gewinner bekanntgegeben wird. Die Zeitverzögerung von drei Minuten lässt sich dadurch erklären, dass sie noch mit einem anderen Gewinnspiel beschäftigt war.

Wird der Gewinner nicht öffentlich bekanntgegeben (weil er per Mail informiert wurde), wird die Betrugs-Karte gespielt. Denn vielleicht hat ja gar niemand gewonnen und alles war nur frei erfunden? So geht das nicht, Beweise müssen her! Ehrliche Gewinnspiele für ehrliche Gewinnspielmuttis!

…haben viel Zeit

Gewinnspielmuttis sind in Foren und geschlossenen Gruppen organisiert. Dort werden neue Gewinnspiele gepostet, man tauscht sich über Taktiken aus und bettelt bei Voting-Gewinnspielen um Likes. Anstatt „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ heißt es dort „Ich habe heute schon an 250 Gewinnspielen teilgenommen!“. Das ist keine frei erfundene Zahl, sondern ein durchaus üblicher Wert. Kalkuliert man mit 90 Sekunden pro Gewinnspiel, landet man bei rund sechs Stunden täglich – und das ist nur die Zeit für die Teilnahme. Überwachen und Pöbeln sind darin noch nicht inbegriffen.

Eine Gewinnspielmutti in Eile erkennt man übrigens daran, dass sie bei einem Gewinnspiel nur den Satz „Bin gerne dabei!“ hinterlässt und dabei die eigentliche Aufgabenstellung völlig ignoriert.

…sind selbstlos

Abschließend möchte ich die Gewinnspielmuttis aber auch noch loben: Denn sie sind wirklich selbstlos! Gerade zur Weihnachtszeit nehmen sie nämlich nur an Gewinnspielen teil, um die Gewinne an (meist kranke) Freunde und Bekannte zu verschenken. Wer also denkt, dass die Gewinne nicht einmal ausgepackt werden sondern direkt bei eBay landen, der irrt sich gewaltig!

Ein Pro-Tipp zum Abschluss:

Wer viel Spaß und Freude haben möchte, sollte bei einem neu veröffentlichten Gewinnspiel einfach mal als Erster eine falsche Antwort posten. Mit etwas Glück, wird bei diesem Gewinnspiel jede Antwort falsch sein! 😉

Veröffentlicht von Frank Feil

Blogger aus Leidenschaft seit über 12 Jahren. Ist selbstständig und macht irgendwas mit Social Media. Liebt das Reisen und guten Gin. Baut zur Zeit ein Haus.

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