Facebook-Gewinnspiele: Die Welt der Gewinnspiel-Kartelle

Zugegeben: Auch ich habe in der Vergangenheit das ein oder andere Mal an Gewinnspielen im Internet teilgenommen und dazu einen Kommentar hinterlassen oder den Like- beziehungsweise Retweet-Button betätigt. Die Teilnahme an solchen Verlosungen ist oft einfach und unkompliziert, die Verlockung entsprechend groß.

Inzwischen haben Gewinnspiele im Internet aber eine ganz neue Qualität erreicht – vor allem auf Facebook. Zu den Gewinnspielmuttis haben sich die Gewinnspielpapis gesellt, und alle zusammen „hüpfen sie in den Lostopf“ und „hibbeln“ der Verkündung der Gewinner entgegen. Per PM wird man dann schon mal dazu genötigt, sich mit der Auslosung zu beeilen, weil man die Teilnehmer „auf die Folter spannt“, die „andauernd nachschauen“, ob der Gewinner schon feststeht. Naja, immerhin für ein freundliches „Hallöchen“ reicht es in der Regel noch.

Von Beruf Gewinnspielteilnehmer/in

Wer jetzt denkt, dass diese Leute nach Lust und Laune an irgendwelchen Gewinnspielen teilnehmen, der irrt. Alles hat System. Dazu muss man sich nur einmal die Zeit nehmen, das Facebook-Profil eines typischen Gewinnspiel-Profis anschauen: Egal, ob ein iPad oder ein leerer Sack Reis verlost wird, es wird geliked und geshared was das Zeug hält. Gewinnspiele ausfindig zu machen, ist übrigens kinderleicht: zahlreiche Internetportale haben es sich mittlerweile auf die Fahne geschrieben, sämtliche Gewinnspiele im Netz zu aufzulisten.

Warum das alles? Ganz einfach: manch einer verdient mit Gewinnspielen sein Geld. Und nein, das ist kein Scherz. Wenn man pro Tag an 10 Gewinnspielen teilnimmt, sind das im Monat immerhin rund 300 Gewinnspiele – und mit jedem weiteren Gewinnspiel steigt die Wahrscheinlichkeit irgendwo den Hauptgewinn abzusahnen. Dieser wird dann zu barem Geld gemacht, denn ein iPad stopft bekanntlich keine hungrigen Mäuler.

Den Beruf des Gewinnspielteilnehmers gab es übrigens schon im analogen Zeitalter, nur dass man sich damals noch die Mühe machen musste, die ausgefüllte Postkarte in einen Briefkasten zu werfen, oder den Telefonhörer in die Hand zu nehmen.

Die Tricks der Gewinnspiel-Profis

  • Die Mehrfach-Teilnahme: Mehr Lose = höhere Chancen. Gewinnspiel-Lehrlinge posten ihren Kommentar einfach zwei oder drei Mal. Irgendwann merken sie, dass das doch nicht so klug war, und beginnen damit den Namen beziehungsweise die E-Mail-Adresse zu variieren. Dabei kommt es auch schon mal vor, dass schmusimausi@gmx.de als Gabi und Gustav am Gewinnspiel teilnimmt.Auf dem Fortgeschrittenen-Level weiß man dann immerhin schon, dass eine komplett neue Identität für die Mehrfach-Teilnahme notwenig ist, vergisst dabei aber gerne mal, dass die IP dieselbe bleibt. Nur Profis haben ein Repertoire aus perfekten Fake-Profilen, und tragen dafür Sorge, dass jedes Profil unter einer anderen IP-Adresse teilnimmt.
  • Die Mitleidstour: Als Antwort auf eine einfache Frage, erhält man nicht nur die richtige Lösung, sondern gleich die gesamte Lebensgeschichte des Teilnehmers mit dazu. Praktischerweise passen die geschilderten Schicksalsschläge im Regelfall zum Gewinn: Wird ein Smartphone verlost, ging selbiges wenige Tage zuvor bei dem Versuch kaputt, ein Eichhörnchen von einem Baum zu retten. Geht es um einen Fernseher, schlug wenige Tage zuvor bei strahlendem Sonnenschein der Blitz ein. Selbst mit der Verlosung einer Kiste Gummibärchen, kann man übrigens so manch einem einen „Lebenstraum“ erfüllen.

All das ist harmlos. Aber auch wenig erfolgsversprechend. Aus diesem Grund kämpfen die Profis – vor allem bei Facebook-Voting-Gewinnspielen –  inzwischen längst mit ganz anderen Bandagen:

  • Stimmenkauf: Der Klassiker. Diverse Portale bieten Pakete à 50, 500 oder gar 5.000 Likes an – mit unter bereits für ein paar Euro. Problem 1: Man muss für die Likes bezahlen, was sich nur bei wirklich hochpreisigen Gewinnen lohnt. Problem 2: Die gekauften Likes werden im Regelfall von ausländischen Fake-Accounts abgegeben, die sich recht einfach identifizieren lassen. Die Folge: der Ausschluss vom Gewinnspiel (die meisten Unternehmen kennen diese Masche bereits und haben eine entsprechende Klausel in den Teilnahmebedingungen verankert).
  • Klickgruppen: Irgendein Schlaufuchs erkannte das Problem und dachte sich: Warum nicht nach Gleichgesinnten Ausschau halten, und sich gegenseitig Stimmen zuschieben. Also schossen so genannte Klickgruppen bei Facebook wie Pilze aus dem Boden. Das Prinzip ist denkbar einfach: Ein Mitglied teilt der Gruppe mit, dass es bei Gewinnspiel xyz mitmacht, und die anderen Mitglieder der Gruppe geben dann ihre Stimmen für ihren Klickgruppen-Bruder ab. Der Vorteil: Da es sich im Regelfall um echte Facebook-Nutzer handelt, die oft auch noch untereinander befreundet sind, lässt sich diese Art der Manipulation nur schwer nachweisen. Der Nachteil: Die echten Nutzer.

Jeder ist sich selbst der Nächste

Problematisch wird es spätestens dann, wenn es um teure Preise geht, die mehrere Klickgruppen-Mitglieder gewinnen möchten. Da geht es dann richtig zur Sache: Während des Gewinnspiels trudeln ungefähr alle zwei bis drei Tage Nachrichten im Postfach der Facebook-Seite ein, in denen Person A vor Betrügern warnt. Praktischerweise bekommt man die Links zu den Profilen der mutmaßlichen Betrüger auch gleich noch mitgeliefert – inklusive Moralpredigt, dass man als Seiten-Admin da unbedingt einschreiten muss. Sonst hat der Nutzer der „fair“ spielt, ja überhaupt keine Chance. Eine Gewinnspielteilnehmerin (nennen wir sie einmal Tina T.) trieb es mit insgesamt vier solcher denunzierenden Nachrichten auf die Spitze.

Der Clou an der Sache: Einen Tag vor Ende des Gewinnspiels, erreichte mich die Nachricht eines anderen Teilnehmers – mit einer interessanten Information: Tina T. war selbst Administratorin einer großen Klickgruppe. Dreistigkeit siegt eben nicht immer 😉

Veröffentlicht von Frank Feil

Blogger aus Leidenschaft seit über 12 Jahren. Ist selbstständig und macht irgendwas mit Social Media. Liebt das Reisen und guten Gin. Baut zur Zeit ein Haus.

4 Kommentare

  1. Oh Frank, du sprichst mir aus der Seele. Ich frag mich immer: Geben die die Gewinne/Erlöse aus Gewinnverkäufen bei Steuer oder entsprechenden Ämtern auch an?

    Eigenes Beispiel von vor wenigen Tagen habe ich auch noch parat. Es fällt auf das manche gar nicht erst lesen sondern direkt ne Mail mit Mitleidstour zünden.
    Ich habe eine Hülle für das iPhone verlost, am Abend kam diese Mail:

    https://imgur.com/04EMpdw

    Man weiss immer nicht als Blogger: ignorieren, freundlich Antworten, eskalieren….

    In diesem Sinne,
    so long

  2. Hallo, ich werde seit einer Woche mit Mails zugemüllt. Heute kam dr besagte Check aus England oder wo auch immer. Die Bettrüger bei QUAKO gemeldet. Es ist allerhand, dass, wenn man etwas real günstig verkaufen möchte, sich solcghe Banden einschläusen können. Falle leider nicht darauf rein. Antworte auch auf keine Mails mehr.
    Ich rate jedem zur Vorsicht, die Betrüger sind sogar namentlich notiert – also Leute – Finger weg von solch dubiosen Machenschaften, wir haben alle nichts zu verschenken.
    so long Adel

  3. Hey,
    super Artikel, habe ich mit Interesse gelesen. Ich nehmen aktuell auch an einem Fotowettbewerb teil (nur noch 10 Teilnehmer).
    Und 5 von 10 TN kaufen Stimmen, ganz offensichtlich wie auch in dem Artikel geschildert.
    Meine Frage: sofern der Veranstalter dies nicht ganz explizit ausschließt- was passiert dann?
    „Die gekauften Likes werden im Regelfall von ausländischen Fake-Accounts abgegeben, die sich recht einfach identifizieren lassen. Die Folge: der Ausschluss vom Gewinnspiel (die meisten Unternehmen kennen diese Masche bereits und haben eine entsprechende Klausel in den Teilnahmebedingungen verankert).“

    Ich wäre dankbar für eine Rückmeldung

    • Liebe Kathleen,

      letztendlich entscheidet das das Unternehmen selbst. Sofern das in den Teilnahmebedingungen nicht ausgeschlossen ist, können die Firmen selbst festlegen, ob sie Leute disqualifizieren oder nicht. In der Regel tun sie das allerdings um den Beschwerden der Nutzer vorzubeugen.

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