Leasing-Rückgabe bei BMW: Bloß keine Panik!

BMW

Mein BMW 320d hat mich in den vergangenen drei Jahren stets sicher ans Ziel gebracht. Knapp 100.000 Kilometer haben wir in diesem Zeitraum zusammen zurückgelegt. Vor einer Woche habe ich den Wagen schließlich zurück zu BMW gebracht, da nach 36 Monaten das Ende der im Leasing-Vertrag vereinbarten Nutzungsdauer erreicht war.

Was dann folgt, nennt sich Leasing-Rücknahme – und genau dazu möchte ich an dieser Stelle ein paar Worte loswerden.

Leasing-Rückgabe: Bloß nicht Googeln!

Ihr kennt das sicherlich: Wenn man bei Google nach Krankheitssymptomen sucht, hat man am Ende grundsätzlich einen Hirntumor. Die Folge: Man bildet sich plötzlich weitere Symptome ein, die zum beschriebenen Krankheitsbild passen, macht sich verrückt – und am Ende ist es dann doch nur ein Schnupfen. Wäre man einfach gleich zum Hausarzt gegangen, hätte man sich den ganzen Ärger sparen können.

Tja, und nicht anders verhält es sich mit der Rückgabe eines Leasing-Fahrzeuges. Als ich den Suchbegriff „Leasing-Rückgabe“ das erste Mal bei Google eintippte, wollte ich mich Anfang Oktober eigentlich nur kurz über das Thema informieren: Wie läuft der Prozess ab? Muss ich irgendetwas beachten? Wie werden etwaige Schäden verrechnet? Es ging mir darum, Antworten auf einige grundlegende Fragen zu finden.

Hätte ich das bloß mal gelassen…

Ich fasse die durch Google erlangten Erkenntnisse mal kurz zusammen:

  • Grundsätzlich versuchen die Händler einem immer über den Tisch zu ziehen.
  • Die Leasing-Rückgabe läuft nie fair ab.
  • Man sollte unbedingt einen Zeugen mitnehmen und Bilder machen, ansonsten schiebt einem der Händler eventuell Schäden unter, die vorher gar nicht vorhanden waren.
  • Unterschreiben sollte man schon mal gleich gar nichts.
  • Gutachter und Autohändler stecken immer unter einer Decke und machen gemeinsame Sache um dem Kunden möglichst viel abzuknüpfen.
  • Bei der Leasing-Rückgabe muss man immer viel Geld nachzahlen, deshalb lohnt sich Leasing generell nicht.
  • man muss unbedingt auf dieses, das und jenes pochen, ansonsten zahlt man drauf.

Inzwischen weiß ich, dass das alles Quatsch ist, aber wenn man all das zum ersten Mal liest, macht man sich doch so seine Gedanken.

Bleibt die Frage, woher all diese Schauergeschichten kommen. Schuld daran sind zum einen Menschen, die Dellen in ihr Auto fahren und sich dann empört in Foren über den Händler auslassen, der dafür bei der Rücknahme (völlig zurecht) Geld verlangt. Das Internet ist voll von solchen Geschichten, was aber nicht daran liegt, dass die Leasing-Rücknahme grundsätzlich unfair abläuft, sondern daran, dass sich nur die Menschen lauthals zu Wort melden, bei denen es nicht so lief wie erwartet (und die die Wahrheit dann auch gerne zu ihren Gunsten verdrehen).

Zum anderen liegt das aber auch daran – und das finde ich noch wesentlich schlimmer – dass „klassische“ Medien diesen Unsinn aufgreifen und dann Artikel mit Headlines wie „Leasing-Rückgabe kann teuer werden“ oder „Leasing-Fallen“ stricken. Mit der Angst der Leute hat man schon immer leicht Klicks generiert…

Leasing-Rückgabe: Die Sache mit der Autoaufbereitung

Richtig interessant wird es aber erst, wenn man sich all die Tipps durchliest, wie man bei der Leasing-Rückgabe sparen kann. Dort fallen dann so Begriffe wie „Professionelle Autoaufbereitung“ und „Smart Repair“. Auf der Webseite des Autoaufbereiters wird einem dann erklärt, dass bei der Leasing-Rückgabe der erste Eindruck wichtig ist, weshalb man auf jeden Fall eine komplette Innenraumreinigung machen lassen sollte. Eine Lackaufbereitung kann natürlich auch nie verkehrt sein. Auf diese Weise lässt sich viel, viel, viel Geld sparen!

Anders ausgedrückt: Der Autoaufbereiter kann viel Geld verdienen. Wenn man sich die ganzen Webseiten und Forenbeiträge nämlich mal genauer anschaut, stellt man schnell fest, dass oftmals irgendwelche Unternehmen dahinterstecken, die eben solche Aufbereitungen anbieten.

Da ich einige Kratzer in den Felgen hatte, habe ich spaßeshalber mal einem auf Felgen spezialisierten Aufbereiter eine Mail mit Bildern geschickt und gefragt, ob es sich a) lohnt die Felgen zu reparieren und b) was es in etwa kosten würde. Kurze Zeit später erhielt ich einen Anruf und mir wurde ganz ausführlich erklärt, dass sich das auf jeden Fall lohnen würde. Zu den Kosten könne man aber nicht sagen, nicht einmal eine ungefähre Preisspanne nennen, da müsse ich schon vorbeikommen (und mich bequatschen lassen).

Irgendwann wurde mir das alles zu blöd und ich beschloss das Auto einfach so abzugeben, wie es war. Warum sollten mich BMW und der Händler jetzt plötzlich über den Tisch ziehen wollen, nachdem ich stets mit allem zufrieden war?

Leasing-Rückgabe: Schnell, fair, transparent

Wenn man all die Schauermärchen und Mythen zur Leasing-Rückgabe herausfiltert, bleiben einige wenige Erkenntnisse, die wichtig sind:

  • jeder Autohersteller/Leasinggeber hat ein frei zugängliches Dokument, in dem genau festgelegt ist, welche Schäden/Mängel als Gebrauchsspuren akzeptiert werden und welche auf eigene Kosten (anteilig oder vollständig) behoben werden müssen.
  • wenn man einen selbstverschuldeten Unfall hatte, werden im Regelfall (außer bei Bagatellschäden) 10 Prozent der Schadenssumme als merkantiler Minderwert in Rechnung gestellt (bei Reparaturkosten in Höhe von 5400 Euro also 540 Euro). Bei einem nicht selbstverschuldeten Unfall zahlt die gegnerische Haftpflicht für gewöhnlich diese Wertminderung.
  • auch Gutachter/Händler nutzen Smart Repair. Wer beispielsweise eine kaputte Felge hat, muss keineswegs den Neupreis bezahlen, sondern lediglich die Smart Repair-Kosten tragen. Das gilt analog für alle anderen Schäden, die sich auf diese Weise beheben lassen.
  • auf den Nachzahlungsanspruch der Leasingbank darf keine Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt werden, denn die Nachforderung erfolgt nicht für eine Leistung der Bank, sondern nur zum Ausgleich der Schäden.

Mit diesem Wissen habe ich mich also auf den Weg zum BMW-Händler gemacht und vorher das Auto noch ausgesaugt und durch die Waschanlage geschickt. Der gute erste Eindruck, ihr wisst schon. Dort angekommen hat der Händler das Auto erst einmal durch die hauseigene Waschanlage geschickt. Will heißen: Die 15 Euro für die Hochglanzwäsche hätte ich mir getrost sparen können – und auch ob nun ein Krümel auf dem Fußboden liegt oder nicht, ist dem Gutachter herzlich egal.

Während mein Auto auf der Hebebühne stand, habe ich in der Lobby einen Kaffee getrunken – und nicht, wie in diversen Ratgebern empfohlen, dem DEKRA-Gutachter zusammen mit einem Zeugen über die Schulter geschaut. Wozu auch?

Nach einer Stunde war die Sache erledigt. Ich wusste, dass meine vier Felgen beschädigt waren (Bordsteine) und das Auto Steinschläge auf der Motorhaube (Autobahn) sowie einen größeren Kratzer auf der Unterseite der Front (Garten) hatte. Und jetzt kommt die große Überraschung: Genau das hat auch der Gutachter beanstandet. Nicht mehr und nicht weniger. In einem kurzen Gespräch erklärten mir Händler und Gutachter, warum die Schäden nicht als Gebrauchsspuren gelten und welche Kosten für Smart Repair auf mich zukommen. Alles ganz transparent und fair. Nachdem ich das Protokoll unterschrieben hatte (was man laut diverser Foren ja auch nicht machen soll), war der Kuchen gegessen. Drei Tage später kam die Abschlussrechnung von der BMW Bank – ohne Mehrwertsteuer. Dafür aber mit einer Rückerstattung von 60 Euro, weil ich den Wagen eine Woche vor dem offiziellen Ende des Vertrags abgegeben hatte.

Leasing: Einfach das Gehirn einschalten

Als ich mich durch die Foren geklickt habe, hatte ich immer das Gefühl, dass die meisten Menschen, die sich dort empören und in Panik verfallen, einfach mal ihr Gehirn einschalten sollten. Wer ein Leasing-Auto fährt, besitzt dieses nicht – und muss dementsprechend pfleglich damit umgehen. Wenn ich meine Felge gegen den Bordstein setze, ist das meine Schuld. Wenn ich im Garten kurz unachtsam bin und aufsetze, ist das meine Schuld. Dementsprechend muss ich für den dadurch entstandenen Schaden bezahlen, wenn ich das Auto zurückgebe.

Im Internet passiert dagegen etwas ganz anderes: Die Leute wissen zwar, dass sie Mist gebaut haben, versuchen den schwarzen Peter aber dem Händler unterzuschieben und sich rauszureden. So funktioniert das nicht.

Wenn man ganz neutral  und objektiv an die Sache rangeht, braucht man keine Panik vor der Leasing-Rückgabe haben – und muss sich von irgendwelchen Autoaufbereitern auch keine Innenraumreinigungen andrehen lassen.

Randnotiz: Ich habe keinen BMW mehr geleast, nur falls jemand auf die Idee kommt, zu denken, dass ich irgendwelche Vorteile bei der Rückgabe hatte.

Randnotiz 2: Es gibt Fälle, in denen vor der Leasing-Rückgabe sowohl eine Autoaufbereitung (zum Beispiel bei starken Rauchern) als auch Smart Repair Sinn machen. Ich möchte hier lediglich davor warnen, einfach blind irgendwelchen Werbeversprechen zu glauben. Im Zweifelsfall kann man auch einfach mit dem Händler sprechen, wie viel bei der Leasing-Rückgabe für eine kaputte Felge fällig wird und so abwägen, ob man zu einem „Felgendoktor“ geht, oder sich das sparen kann.

14 Kommentare

  1. Und dann kommt es auch immer noch darauf an, was für ein Leasing man hat(te): Restwert- oder Kilometerleasing. Bei letzterem gibt es meist weniger Probleme als beim Restwertleasing. Ich habe auch bereits zwei Leasingfahrzeuge gehabt und es lief reibungslos bei der Rückgabe. Bei einem gabs sogar noch eine Auszahlung. Jetzt gebe ich demnächst das dritte Auto zurück und bin wieder recht entspannt.

    Achja, gewaschen und ausgesaugt wird er vorher aber auf jeden Fall. 😉

  2. Hallo Frank,
    wo findet man das „frei zugängliche Dokument, welches die akzeptierten Gebrauchsspuren für einen BMW“ auflistet?

    Ein Anruf bei der BMW Bank führte nicht zum Erfolg. Explizit sagte der Mitarbeiter, dass es so etwas nicht gibt.

    Bitte um einen Link dazu.

    Vielen Dank im Voraus!

    Michael

    P.S.: es freut mich, dass Deine Leasingrücknahme so problemlos verlief. Leider habe ich andere Erfahrungen.

    Ich kann nur empfehlen vor Rückgabe ein unabhängiges Gutachten bzw. einen Zustandsbericht machen zu lassen. Diese 120 Euro sind gut investiert, falls man nicht so ein Glück hat wie Du. Das ist wirklich neutral.

      • Hallo Frank, wäre super, wenn Du das Ergebnis hier einstellen könntest. Wenn Du nicht fündig wirst, dann bitte die dazugehörige Behauptung im Artikel korrigieren im Sinne der zukünftigen Leser.

        Was schief lief?
        1. z.B. Ordnungsgemäße Services bei BMW wurden nicht anerkannt. Stichwort: bedarfsgerechter Service (siehe BMW Homepage) im Kontrast zum Wunsch BMWs sämtliche unbedarften Leistungen dennoch durchzuführen und abzurechnen.
        2. Versuch eine Neulackierung des Dachs abzurechnen, obgleich ein Poliergang das gewünschte Resultat brachte.

        Ich könnte die Liste erweitern…

        LG

          • Danke für die Antwort. Allerdings liegt genau darin der Missstand:

            Während der „DEKRA Standard“ eine unabhängige Bewertung mit sich bringt, welches ich jedem vor Leasingrückgabe zur Absicherung empfehle, beauftragt BMW die DEKRA nach einem abweichenden EIGENEN Standard das Fahrzeug zu bewerten. Dieser EIGENE Standard legt viele Gebrauchsspuren als Mängel und Minderung aus – absolut unneutral.

            Ein Anruf bei der DEKRA Automobil bestätigte diesen Sachverhalt sehr schnell.

            Der BMW Händler behauptet sogar mündlich, dass die Bewertung nach BMW Maßstab weniger Gebrauchsminderung mit sich bringt, als nach unabhängigem Standard. Die Dekra korrigiert diese Behauptung natürlich auch schriftlich.

            BMW suggeriert dem Käufer eine unabhängige Fahrzeugbewertung durchzuführen, jedoch wird diese nach eigenem Standard erledigt und ist einseitig.

            siehe Gerichtsurteil: https://www.unfallzeitung.de/expertenrat/einseitiges-dekra-gutachten-bei-leasingrueckgabe-nicht-massgeblich (bitte um Augenmerk auf das Fazit)

            Diese Art ist bei BMW gängige Praxis. Die Abrechnungsbestimmungen der BMW Bank für Leasingverträge sind (teilweise) unwirksam. Trotz Präzidenzurteil bleibt die Praxis bestehen.

            siehe Gerichtsurteil: http://www.leasing-hilfe.de/abrechnungsbestimmungen-der-bmw-bank-unwirksam-257/

            Wer sich nicht wehrt – oder Glück hat wie Du – zahlt unrechtmäßig drauf!

            Deinen Artikel fand ich über die generische Google Suche zum Thema. Ich befürworte eine realistische Perspektive für alle Leser und empfand Deinen Artikel verhältnismäßig einseitig zugunsten BMW, was zwar in Deinem Fall absolut nachvollziehbar ist, aber nicht der gängigen Praxis bei BMW entspricht.

            LG

            Ich würde mich dennoch freuen, wenn Du das „frei zugängliche Dokument, welches die akzeptierten Gebrauchsspuren für einen BMW auflistet“ hier verlinken könntest.

          • @Dokument: Wie gesagt, aktuell finde ich es nicht, bin aber auch unterwegs. Ich schaue daheim nochmals und korrigiere das ggf. im Artikel.

            @Leasing-Rückgabe: Ich finde die Perspektive von mir durchaus realistisch. Das Problem ist, dass im Netz sich immer nur Leute zu Wort melden, die sich beschweren wollen. Und das ist auch ok, denn es läuft nicht immer alles rund. Daraus aber die Schlussfolgerung zu ziehen, dass eine Leasing-Rücknahme grundsätzlich „schief läuft“, halte ich für falsch. Ich habe vor dem Artikel mit mehreren Leuten gesprochen, die seit Jahren bei BMW Autos leasen und keiner hatte je größere Probleme bei der Rückgabe.

            Ich hätte mich auch aufregen können, dass ich meine Motorhaube neu lackieren lassen musste, weil es zu viele Steinschläge waren. Allerdings wurde mir dann plausibel am Fahrzeug erklärt, warum die Steinschläge zu tief sind und das war ok für mich. In dem Punkt hätte man sich sicherlich auch streiten können.

  3. Danke für Deine immerzu schnelle Rückmeldung.

    Na klar, in Deinem Fall bzw. den Fällen Deines Bekanntenkreises sind diese „negativen Erfahrungberichte aus ominösen Foren etc.“ absolut unverhältnismäßig.

    Das von Dir verlinkte Dokument „DEKRA Schadenkatalog“ schafft in vieler Hinsicht Klarheit.

    Ich freue mich, wenn meine mehrfach negativen Erfahrungen in Kombination mit den gefällten Gerichtsurteilen anderen helfen können, negative Erfahrungen zu vermeiden.

    Wäre ich von Anfang an auf dem heutigen Wissensstand, hätte ich knapp 5.000 € sparen können. (mehrere Farhrzeuge)

    LG und weiterhin viel FREUDE AM FAHREN!

    • Ich denke auch, dass die von dir verlinkten Urteile eine gute Ergänzung sind, denn wenn wirklich etwas schief läuft, haben die Leute Anhaltspunkte und wissen, was erlaubt ist und was nicht 🙂

  4. Mir scheint dein Artikel ein wenig unobjektiv. Liest man deinen Beitrag kommt man zu dem Schluss, die Rücknahme ist ohne weitere Auffälligkeiten vollzogen worden. Das Fahrzeug war also in einem dem Alter entsprechendem Zustand.
    In einem der Kommentare schreibst du dann, du musstest die Motorhaube neu lackieren lassen.
    Wieso wird sowas nicht erwähnt, denn solche Schäden haben doch recht großes Konfliktpotential. So sind sie ja nicht zum Begleichen der Reparatur verpflichtet sondern zum Begleichen der Wertminderung. Hier hätte der ein oder andere sicher mehr Gegenwehr an den Tag gelegt und wäre zu einem anderen Ergebnis bei der Bewerung des Leasings in der Gänze gekommen.

    • Im Artikel stehen die Schäden, auch die Steinschläge auf der Motorhaube. Und OBJEKTIV betrachtet, war es nach dem Gespräch mit dem Gutachter vollkommen logisch, dass da eben nur der Tausch bleibt, weil die Steinschläge zu tief waren. Immerhin hatte ich auch 100.000 Kilometer auf der Autobahn, da gehört das dazu.

      Die Menschen, die sich da „wehren“, sind die gleichen, die meinen wenn im Hotel das Frühstücksei zu hart gekocht ist, sie Anspruch auf eine Gratis-Übernachtung hätten ¯\_(ツ)_/¯ Und die bekommen sie nicht, deshalb schreiben sie die Foren voll und versuchen so ihren Zorn zu kompensieren. Hilft nur keinem 😉

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.