Wohnungssuche: von Maklern, Provisionen und Hundebildern

Immobilienmakler dürften wohl eine der wenigen Berufsgruppen sein, deren Streikankündigung beim Rest der Menschheit Begeisterungsstürme auslöst. Immerhin: die meisten Makler sind sich darüber auch im Klaren, weshalb die gestrige Urabstimmung in einer Pleite endete.

Warum wollten die Makler überhaupt streiken? Na weil 2015 das sogenannte Bestellerprinzip eingeführt werden soll. Das bedeutet, dass der Vermieter den Makler bezahlen muss, wenn er ihn mit der Vermietung seiner Wohnung beauftragt. Bislang müssen die Mieter die 2,38 Monatsmieten Provision (Courtage) bezahlen.

Makler mit der „Lizenz zum Gelddrucken“

Wie unsinnig die bisherige Regelung – auch „Lizenz zum Gelddrucken“ genannt – ist, habe ich in Heidelberg während meiner Studienzeit mehrfach erlebt. Da der Makler den Vermieter nichts kostet, ihm aber eine Menge Arbeit abnimmt, werden in Heidelberg so gut wie alle Wohnungen über Makler vermietet. Einmal hatten wir jedoch das Glück auf ein privates Inserat zu stoßen. Die Freude war groß, denn immerhin sah die Wohnung auf den Bildern gut aus und wir hätten rund 1100 Euro gespart.

Beim Besichtigungstermin staunten wir dann aber nicht schlecht, als uns gleich zwei Makler begrüßten, die uns davon überzeugen wollten, den Mietvertrag bei ihnen abzuschließen. Die beiden Makler hatten nämlich auch die Anzeige entdeckt, waren bei dem Vermieter vorstellig geworden und hatten ihm – freilich kostenlos – ihre Dienste angeboten. Wer sagt da schon nein?

Dienstleistungen, die keine sind

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein großer Freund von gutem Service bin – und gerne auch dafür bezahle. Soll heißen: Wenn ich zu einem Makler gehe und ihn damit beauftrage, mir eine passende Wohnung zu suchen, dann kostet das Geld. Das steht außer Frage. Wenn ich aber selbst tagelang das Internet nach passenden Angeboten durchforste, alle Anrufe selbst tätige und der Makler mir nur noch die Tür aufschließt, warum sollte er dafür auch noch 2,38 Monatsmieten von mir bekommen?

Nun könnte man argumentieren, dass der Makler ja die Wohnung besichtigen und Fotos machen muss. Und dann bedarf es auch noch eines Inserats bei Immobilienscout24 – nicht zu vergessen die Massenbesichtigungen, für die sich der Makler dann auch noch eine Stunde Zeit nehmen muss. Puh! Das ist hart.

Schauen wir doch mal, wie sorgfältig Makler ihren Aufgaben nachkommen.

„Kein Bild vorhanden“

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Der Klassiker. Man mag es nicht glauben, aber es gibt tatsächlich Makler, die sich beim Inserat nicht mal die Mühe machen, ein einziges Bild einzufügen – insbesondere bei günstigen Wohnungen. Frei nach dem Motto: die, die nicht mehr bezahlen können, werden sich schon melden. Und das tun sie bislang eben auch.

Ein Logo sagt mehr als tausend Bilder von der Wohnung

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Ebenfalls sehr beliebt: verpixelte Logos vom Maklerbüro. Damit schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, denn man muss sich wie im ersten Beispiel nicht die Mühe machen, Bilder aufzunehmen, wirbt aber gleichzeitig noch für sich.
Als Ergänzung eignen sich da perfekt Stockfotos, die zwar nichts über die Wohnung verraten, aber Tierfotos ziehen im Internet halt immer.

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Schöner Wohnen

Ab und an findet man dann aber doch Bilder – vom Feinsten! Drei Varianten:

1. Die dunkle Wand

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2. Die Baustelle (liegt meistens daran, dass die Wohnung schnell vermietet werden soll und die Zeit fehlt, vernünftige Bilder zu machen, wenn der Umbau abgeschlossen ist).

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3. Der Ausblick (via @kaithrun)

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Fest steht, dass all diese Bilder bestenfalls mit einem Handy geknipst worden sind, wobei „geknipst“ für diese Meisterwerke wohl noch zu positiv ist. Über die Wohnung selbst sagen sie letztendlich nämlich überhaupt nichts aus und bringen potentielle Mieter nicht weiter.

Ich meine woher soll man wissen, ob das Bad oben heute nicht noch immer eine Baustelle ist? Von dem fantastischen Blick in den Garten fange ich erst gar nicht an. Leider sind solche Beispiele nicht die Ausnahme sondern die Regel.

Premium-Angebote mit Video

Wie könnte man eine schöne Wohnung besser präsentieren, als mit einem liebevoll gestalteten Video? Außerdem macht sich das ja auch ganz gut neben der Anzeige, wenn da steht „Video verfügbar“.

Dumm nur, dass es sich bei dem Video im Regelfall um eine mit einem kostenlosen Online-Tool zusammengestückelte Slideshow mit den Bildern handelt, die ohnehin schon in der Anzeige enthalten sind.
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Last but not least: Angebote, bei denen der Makler die Adresse unter Verschluss hält. Das kann mit unter sehr ärgerlich sein, da man die Wohnung ansonsten vielleicht von Anfang an hätte ausschließen können.

Wohnungssuche

Es gibt übrigens auch Inserate, die ordentlich bebildert sind. Das sind dann allerdings die Luxus-Wohnungen mit Kaltmieten ab 1500 Euro, bei denen knapp 3500 Euro Provision für den Makler abfallen. Dafür kann man dann schonmal die Kamera auspacken.

Eigentlich sollte man doch aber auch schon bei einer Wohnung für 400 Euro anständige Bilder erwarten können, wenn man als Mieter die Maklerkosten selbst tragen muss.

In diesem Sinne: frohe Wohnungssuche!

Veröffentlicht von Frank Feil

Blogger aus Leidenschaft seit über 12 Jahren. Ist selbstständig und macht irgendwas mit Social Media. Liebt das Reisen und guten Gin. Baut zur Zeit ein Haus.

18 Kommentare

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