Missverständnisse über Blogger-Events (1): Luxus-Urlaube auf Kosten der Unternehmen

Am Wochenende war die halbe Blogger-Welt zu Gast bei Ford (Rom), Audi (Monaco) und Land Rover (Wülfrath). In manchen Beiträgen und Kommentaren führte das (wie immer) zu teilweise recht amüsanten interessanten Diskussionen (seitens der Kommentatoren) und Statements (seitens der Blogger).

Ich habe mich daraufhin mal mit einigen anderen Bloggern über das Thema unterhalten. Das Ergebnis ist eine kurze Serie unter dem Titel „Missverständnisse über Blogger-Events“, deren ersten Teil ihr gerade schon lest.

1. Blogger-Events sind Luxus-Urlaube auf Kosten der Unternehmen

Flüge, Bahnreisen, Limousinen-Shuttles, 5-Sterne-Hotels und irgendein cooles Extra (Segway-Touren, Paintball, Segeln, uvm.) sind sehr oft ein fester Bestandteil solcher Events. Nun haben 99 Prozent aller Blogger Menschen die Angewohnheit, eben nur das auf Facebook, Twitter oder Google+ zu teilen, was ihnen besonders interessant oder spektakulär erscheint. So entsteht dann das Bild vom Blogger, der in der Limousine zum 5-Gänge-Menü ins 5-Sterne-Hotel gekarrt wird, danach noch schnell mit dem Segway in die teuerste Bar der Stadt fährt, irgendwann nachts wieder im Hotel eintrifft, morgens noch schnell ein Champagner-Frühstück zu sich nimmt und dann in der Business-Class wieder nach Hause fliegt. Tolle Vorstellung, oder?

Die Art und Weise, wie solche Events öffentlich, sprich in sozialen Netzwerken, dargestellt werden, ist höchst selektiv. Nehmen wir mal ein 36-Stunden-Event. Soll heißen: ein Tag für Anreise und Event + ein halber Tag für Frühstück, Verabschiedung und die Abreise.

Ich bin jetzt mal optimistisch und veranschlage jeweils sechs Stunden für An- und Abreise (Zugfahrt beziehungsweise Zug zum Flughafen, Wartezeit am Flughafen, Flug, Transfer zum Hotel/Event). Insgesamt kommen dabei zwölf extrem stressige Stunden heraus, in denen man de facto nur von einem Transportmittel zu nächsten hastet – wenn es gut läuft bleibt immerhin noch Zeit für einen Kaffee am Flughafen und vielleicht noch einen Artikel. Von diesen zwölf Stunden bekommt die Außenwelt in der Regel ein Bild vom Flughafen („Wo fliegt der denn schon wieder hin?“) und ein Bild vom Shuttle zum Hotel/Event („Oh, zu fein für den öffentlichen Nahverkehr?“) zu sehen. Bleiben noch 24 Stunden übrig.

Im Hotel angekommen, folgt das Bild vom spektakulären 5-Sterne-Hotel mit Aussicht über die halbe Welt („Ist klar, ne? Eine Jugendherberge mit Acht-Bett-Zimmer hätte nicht gereicht?“).

Was dabei unterschlagen wird: von dem Hotel und all seinem Luxus hat man so gut wie nichts. Check-in, kurz aufs Zimmer unter die Dusche, Hotel-WiFi testen und schnell wieder in die Lobby, wo schon alle abfahrbereit sind. Das nächste Mal sieht man das Hotel beziehungsweise Zimmer dann spätabends, wenn man todmüde ins Bett fällt. Aufstehen um 07:00 Uhr, Frühstück um 07:30 Uhr. Warum? Weil um 08:30 Uhr schon die Abreise ansteht. Bis dahin muss das Frühstück gegessen, die Koffer gepackt und der Check-out erledigt sein. Insgesamt kommt man so auf knapp 10 Stunden im Hotel, verteilt auf Check-in, Check-out, Frühstück, Duschen und Schlafen (Ok, vielleicht noch eine halbe Stunde am Notebook oder vor dem Fernseher ;)). Bleiben noch 14 Stunden.

Von diesen 14 Stunden gehen erneut rund zwei Stunden für Transfers (im Auto, Bus oder zu Fuß) zu irgendwelchen Event-Locations drauf. Von den ursprünglichen 36 Stunden Luxus-Urlaub haben wir jetzt also knapp 14 Stunden in Bus, Bahn oder Flugzeug verbracht, weitere 10 Stunden mit Check-in/-out, Kofferpacken, Duschen, einem kurzen Frühstück und ein wenig Schlaf.

12 hours to go. Ein Stunde davon können wir gleich für die Begrüßung abziehen, bei der sich die Verantwortlichen (also die Leute von der Agentur und dem jeweiligen Unternehmen) vorstellen und man mit den Leuten redet, die man irgendwann, irgendwo schon mal gesehen hat.

Von den verbleibenden elf Stunden gehören dann circa vier bis fünf Stunden der Produktpräsentation (Ansprache von einem Firmenmitarbeiter in leitender Position, Vorstellung des Produkts, Hands-on). Je näher der Hands-on-Teil rückt, desto unruhiger werden die Leute. Man fokussiert schon mal die genaue Position der Testgeräte im Raum und sobald das Signal (in welcher Form auch immer) gegeben wird, rennen alle wie die Lemminge los, da die Testgeräte nur in den seltensten Fällen in ausreichender Zahl vorhanden sind. Einige verdrücken sich dann in andere Räume, andere filmen mit dem iPhone drauf los, immer in der Hoffnung, das Hands-on-Video möglichst als Erster bei YouTube hochladen zu können. Entsprechende Tweets und Beiträge bei Facebook hat man bereits während der Ansprache verfasst, den dazugehörigen Beitrag während der Produktvorstellung. (Außenwahrnehmung: „Was? Flug, 5-Sterne-Hotel und jetzt bekommen die auch noch [man setze hier das jeweils vorgestellte Produkt ein] geschenkt?“)

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen eine weniger stressige und hektisch Phase.

Zugegeben, es gibt dann auch noch die sechs Stunden, in denen man etwas Spaß hat (Segway-Tour, Paintball, etc.) und gemütlich bei einem leckeren Mittag- oder Abendessen zusammensitzt, aber das hat man sich dann auch redlich verdient („Was? Wasser und Brot hätten es auch getan!“).

Quintessenz

Ich habe hier ein stereotypisches Blogger-Event beschrieben, wie sich das viele da draußen vorstellen, die dann irgendwelche Neiddebatten vom Zaun brechen und mit Unverständnis auf solche Events reagieren. Und ja, manchmal kommt die Realität dem recht nahe, meistens aber hat das 5-Sterne-Hotel dann noch nur drei oder vier Sterne, das 5-Gänge-Menü wird zum kalten Buffet und die Segway-Tour wird zum Spaziergang vom Event zum Hotel. Es kann auch mal vorkommen, dass es überhaupt kein Hotel gibt und man an einem Tag quer durch die Nation reist, um zwei Stunden an einem Event teilzunehmen.

Warum das alles? Ganz einfach: man möchte dem Leser einen gewissen Mehrwert bieten, einen Hauch von Exklusivität. Es geht darum eigene Erfahrungen in die Artikel einbringen zu können und nicht die Artikel anderer zu recyceln. Für diesen einen Bericht lassen viele (die allein bloggen) ihr Blog einen oder sogar zwei Tage brachliegen, was sich umgehend bei den Besucherzahlen (negativ) bemerkbar macht.

Wenn am Ende daraus dann ein hervorragender Artikel hervorgeht und der erste Kommentar dazu lautet „Ach, hast du dich mal wieder von Firma XYZ einladen und kaufen lassen“, dann läuft in den Köpfen dieser Kommentatoren irgendwas falsch, völlig egal ob damit der blanke Neid oder die völlige Ahnungslosigkeit zum Ausdruck gebracht wird.

Es wird der Leistung der einzelnen Blogger nicht gerecht und viele nehmen sich solche Dinge sehr zu Herzen – auch wenn ihr das dann nicht bei Facebook oder Twitter lest.

Veröffentlicht von Frank Feil

Blogger aus Leidenschaft seit über 12 Jahren. Ist selbstständig und macht irgendwas mit Social Media. Liebt das Reisen und guten Gin. Baut zur Zeit ein Haus.

52 Kommentare

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